ursprungverbreitung

Ursprung und Verbreitung der Pest 

Der Beginn der großen Pestwelle lässt sich auf das Jahr 1331 zurückführen und dem Gebiet der heutigen Mongolei (damaliges chinesisches Kaiserreich) zuschreiben. Von dort rückte das Bakterium langsam nach Westen vor: 1339 gab es erste Pesttote im heutigen Kirgisien, 1345 im Bereich des Wolgadeltas und der Krim.
Von der Krim aus startete die Pest ihren verheerenden Feldzug durch Europa: Der Geschichtsschreibung zufolge lag die Hafenstadt Kaffa (das heutige ukrainische Feodossija) unter der Belagerung der Tataren, die bereits erste Pesttote in ihren eigenen Reihen zu beklagen hatten. Diese schossen sie mit Katapulten über die Stadtmauern Kaffas und sorgten so für eine Massenflucht vieler Einwohner. Da die Hafenstadt in das Handelsnetz genuesischer Kaufleute eingebettet war, benutzten die Flüchtigen hauptsächlich den Seeweg, in Folge dessen die bereits Infizierten wichtige europäische Häfen wie z. B. Messina erreichen konnten.
Von Sizilien aus verbreitete sich der Erreger über Genua entlang der südfranzösischen Küste schnell auf das französische Festland.
Zeitgleich dehnte sich die Pest von Venedig über die Alpen Richtung Norden aus. Die Seuche bewegte sich also in einer Zangenbewegung von Südosten und Südwesten kommend nach Norden.
Deutschland erreichte die Pestwelle erstmalig im Jahr 1349, wobei die norddeutsche Tiefebene besonders stark betroffen war.
In den Folgejahren bis 1352 hatte sich die Pest binnen lediglich eines halben Jahrzehnts auf annähernd Gesamteuropa (lediglich einige Areale auf dem Gebiet des heutigen Polens, der Tschechei und Belgiens blieben größtenteils ausgespart) ausgebreitet: Die Epidemie war zur Pandemie geworden.[1]
  

Die Pest heute 

Die Pest ist immer noch nicht ausgerottet. Im Zehnjahresdurchschnitt treten 2547 Erkrankungen und 181 Todesfälle pro Jahr auf. Derzeit befinden sich Endemie Gebiete in Zentral- und Südostasien, Indonesien, Zentral- und Südafrika, Madagaskar, Mexiko, den USA, Zentral- und Südamerika, Russland und Kasachstan. 

80% der Pestfälle des 20. Jahrhunderts ereigneten sich in Asien, in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Das am meisten betroffene Land war Indien. In den 60 Jahren nach 1897 wurden dort 12 Mio. Pesttote registriert. Erst seit den späten 50ern traten in Indien für eine lange Zeit keine Pesterkrankungen mehr auf. Die letzte größere europäische Epidemie ereignete sich 1945 auf Korsika mit 42 Erkrankten und 25 Todesfällen. In der 2. Hälfte dieses Jahrhunderts traten immer noch zahlreiche Infektionen auf, z.B. in der Dritten Welt. Einzelne Pestherde sind immer wieder Savannen und Dschungel. Zwischen 1955 und 1964 wurden weltweit ca. 8900 Beulenpestfälle, davon 2388 Todesfälle (26,6%), registriert. In Indonesien sind bis 1970 nur 11 Fälle pro Jahr aufgetreten. 1973 stieg diese Zahl aber schlagartig auf 130 offizielle und viele unsichere mehr an. Ein Beispiel dafür, dass die Anzahl der Pesterkrankungen sehr stark schwanken kann ist Burma. Waren es 1973 nur 13 Fälle, so sind es 1974 schon 680 und 1975 275 gewesen. In den folgenden Jahren waren es dann jährlich mehrere hundert Pesttote. Auch in Südamerika wurden einige Pestfälle gemeldet. In der 1. Hälfte des Jahres 1970 wurden in Brasilien über 1.000 Pestfälle gemeldet. In Ecuador und Bolivien wurden ebenfalls einige Erkrankungen registriert. In Peru waren es in vielen Jahren mehrere hundert Fälle. In den USA gab es niemals viele Pestfälle, aber trotzdem traten immer wieder Infektionen auf. 1973 waren es 46 Erkrankungen. In Afrika traten bisher eher wenige Fälle auf, welche vor allem im Osten des Kontinents lokalisiert waren. Weltweit waren es bis 1953 jährlich mehrere tausend Erkrankungen. Danach geschah ein steiler Abfall. Der Tiefpunkt wurde 1959 mit weniger als 100 Infektionen erreicht. Darauf folgte ein starker Anstieg, vor allem seit 1965 mit über 5.000 Fällen pro Jahr, was auf den Vietnamkrieg zurückzuführen ist. Nach dem Ende des Krieges folgte ein genauso steiler Abfall. 1974 stieg die Zahl der Opfer auf ca. 2.000. 1975 waren es weniger als die Hälfte. Seit den 70ern wurden in einzelnen Ländern Südamerikas, Afrikas und Ostasiens mehrere Beulenpestfälle pro Jahr gemeldet. In den 80ern waren es weltweit durchschnittlich 855 Erkrankungen jährlich, davon endeten 98 tödlich. Durch Breitbandantibiotika konnte die Letalität seit 1965 auf ca. 10% gesenkt werden.[2]  

Auch in den letzten 15 Jahren war die Pest eine präsente Krankheit. In den USA wurden 1992 13 Infektionen und zwei weitere Todesfälle beobachtet. Seit 1957 kam es z.B. in Colorado zu 50 Infektionen, davon endeten 8 tödlich. Die letzte größere Epidemie fand von August bis Oktober 1994 in Surat, Indien, statt. 234 offizielle Infektionen und 56 Todesfälle wurden dort registriert. Vermutet sind aber 6.344 Erkrankungen. Der dortige Erreger hatte bisher noch nicht beobachtete Eigenschaften. Er zeichnete sich durch eine schwache Virulenz und molekularbiologische Besonderheiten aus. Es war ein stark veränderter Erreger. Auch auf Madagaskar wurde bei einer Epidemie ein neuer, vielfach resistenter Yersinia pestis -Erreger entdeckt. Mehrere 100 Menschen erkrankten bei dieser Epidemie. Dieser Erreger widerstand allen herkömmlichen Antibiotika und auch gängige Alternativmedikamente waren unnütz. Im Februar 2005 brach die Lungenpest im Nordwesten des Kongos aus. Die WHO hat dort 61 Todesopfer registriert. Zwischen dem 13. und 18. Juni 2005 kam es zu einem Pestausbruch in Zhongba (Bezirk der Xigaze Präfäktur im Südwesten Tibets). Es kam zu zwei Todesfällen, nachdem die Opfer Murmeltierfleisch gegessen hatten. Ende 2004 verlief ein autochthoner Pestfall aus Colorado tödlich. Ein 66-jähriger Mann hatte sich bei der Hasenjagd in Park Country infiziert. Am 27.07.2005 kam es dann zum ersten Pestfall in New Mexico bei einem Erwachsenen in Santa Fe County. Der Erkrankte erholte sich im Krankenhaus. [2] 

Hier noch ein ganz aktueller Fall eines Pestausbruchs: Der bitterarme Inselstaat Madagaskar kämpft Medienberichten zufolge mit Dutzenden von Pestfällen. Seit Jahresbeginn 2011 sollen bereits 32 Menschen an den Folgen der Krankheit gestorben sein, wie die Tageszeitung «Courrier» berichtete. Mehr als 100 Menschen sind offenbar an der Seuche erkrankt.[6] 

Immer wieder werden Pestfälle auftreten und dies wird sich in den nächsten Jahrzehnten nicht ändern. Denn die Pest ist noch lange nicht besiegt, wie genannte Fakten eindrucksvoll beweisen. [2]   

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