auswirkungenfolgen

Auswirkung und Folgen

Der Schwarze Tod raffte ungefähr ein Drittel der europäischen Bevölkerung, entsprechend schätzungsweise 20 bis 25 Millionen Menschen, hinweg. Neuere Erkenntnisse gehen sogar davon aus, dass annähernd die Hälfte aller Europäer während der Pest-Pandemie der Jahre 1347 bis 1352 zu Tode kam.
Maßgeblich betroffen waren die mittelalterlichen Städte, in denen die Pest aufgrund der katastrophalen Hygienebedingungen (größere Menschenansammlungen auf engerem Raum, fehlende Kanalisation und Abfallbeseitigung) besonders vernichtend wüten konnte. Die Tatsache, dass vielerorts ganze Landstriche entvölkert wurden, führte dazu, dass es oftmals nicht einmal mehr genügend Überlebende gab, um die Toten zu bestatten. Diebstähle, Plünderungen und Leichenberge an den Wegesrändern waren an der Tagesordnung: Das öffentliche Leben brach völlig zusammen.[1]  
Die Pest änderte vor allem auch in den sozialen Bereichen des Mittelalters viele Dinge. Durch die Pflege von kranken Angehörigen wussten viele Menschen, wie ansteckend die todbringende Krankheit ist, die Folge war ein Verweigern der dringend benötigten Hilfe und ein Zerfall der sozialen Bindungen. Die Menschen mussten also mit anschauen, wie die familiären und gesellschaftlichen Bindungen zerbrachen und damit auch die wohltuende Ordnung, auf die man doch so stolz war. Damit rief die Pest bei den Menschen nicht nur die eigene Vergänglichkeit wieder ins Gedächtnis, sondern sie zeigte ihnen auch nur zu deutlich, wie bedroht sogar die sozialen Strukturen sind, die eigentlich das Leben des Einzelnen in einem feindlichen Universum schützen sollten. 

Da die Menschen des Mittelalters sich das Auftreten der Pest nicht erklären konnten, mußte ein Sündenbock dafür gerade stehen. Der Zorn der Bevölkerung richtete sich gegen Ausländer, Krüppel, Bettler, Zigeuner, Hexenmeister und einmal mehr gegen die Juden. 

Nicht nur im sozialen, sondern auch im medizinischen Bereich war die Pest der Motor des Umbruches. Daß wir heute in der Lage sind, viele Infektionskrankheiten wirkungsvoll zu bekämpfen, mag paradoxerweise ein Verdienst der Pest sein und auch das Entstehen einer Lehre von den Volkskrankheiten, der Epidemiologie, war nur möglich, weil die Menschen eine weitere Zeit des Schreckens und des Todes verhindern wollten. Viele Ärzte waren jedoch selbst an der Pest erkrankt und gestorben, so daß an den Universitäten viele Lehrstühle frei wurden. Das schaffte Freiräume für neue Ideen und ungewöhnliche medizinische Ansätze. Es erschienen immer mehr Fachtexte in der jeweiligen Landessprache, anstatt in Latein. Die gesamte medizinische Wissenschaft veränderte sich grundlegend. Man versuchte z.B. bessere hygienische Bedingungen zu schaffen und langsam entwickelte sich daraus der Begriff der Quarantäne. 

Die Medizin des Mittelalters fußte weitgehend auf den Anschauungen der antiken griechischen Medizin. Eine Seuche entstand daher durch Verunreinigungen (griechisch: miasmata), die sich unter bestimmten klimatischen Bedingungen in der Luft befinden und durch das Atmen in den Körper gelangen. Schuld an solchen pesterzeugenden Stoffen waren starke Sonneneinstrahlung, faulende organische Stoffe und Sümpfe. Die Pest war also nach dieser Miasma-Lehremit einer Massenvergiftung gleichzusetzen. Das beste Schutzmittel aus medizinischer Sicht war demnach eine Flucht vor der verseuchten Luft in eine andere Landschaft. 

Besonders stark wurde die Religion von der Pest beeinflusst. Pest und Tod waren zu der damaligen Zeit eine große Bedrohung. Vielleicht waren sie es die das 15. Jahrhundert zu einem so gläubigen Jahrhundert gemacht haben. In dieser Zeit tauchten an den Mauern der Kirchhöfe und Klostern immer häufiger die Totentänze auf, die in Bild und Wort dem Betrachter einhämmern, was er sowieso nicht vergessen kann: memento mori. 

Die Totentanzbilder zeigen gut die Mischung aus Religiosität und Unruhen, die zu der damaligen Zeit herrschten. Die Religion bot vielen Menschen eine Erklärung für die Pest, denn der heilige Text der Apokalypse nannte unter allen Plagen, die die frühere Welt in Schach hielten, auch die Pest, so sah man in ihr das Strafgericht Gottes. 

Die Menschen dachten, sie hätten Gott durch ihre Sünden erzürnt und versuchten ihn durch Psalmengesang, Prozessionen, Weihen, Bußübungen und Bittgottesdienst wieder freundlich zu stimmen. Quacksalber fertigten Amulette, Ärzte und Apotheker mischten Gegenmittel und publizierten Pestschriften. Regierungen erließen Gesetze und Vorschriften, wie man sich bei der "laidigen Sucht der Pestilenz" verhalten solle. Doch es half anscheinend alles nichts und die Verzweiflung, die unter den Menschen geherrscht haben musste, wird auch in der westlichen Literatur des Mittelalters und der Neuzeit deutlich. Von Boccaccio bis Camus hat es zahlreiche Autoren gegeben, die der Pest in ihrer Literatur einen wichtigen Platz einräumten. 

Im großen und ganzen kann man sagen, dass die Pest nicht nur Menschen Scharenweise dahinraffte, sonder auch das ganze mittelalterliche Leben völlig umkrempelte und veränderte, was vielleicht auch dazu beigetragen hat, dass die Pest früher und auch heute noch als die schlimmste und bekannteste Seuche aller Zeiten angesehen wird. [3] 

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